SoSe26 AK Erinnerungskultur auf dem Campus
Vorstellung des AKs
Verantwortliche*r: Leo (FUB), Lucia (HUB), Fritz (FUB)
Einleitung und Ziel des AK
Konkreter Anlass ist die neue Erkenntnis, dass sich das Physik-Gebäude der FU auf dem Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers für landwirtschaftliche Zwangsarbeit während dem 2. Weltkriegs befindet. Uns interessiert daher, wie andere Hochschulen auf ihren Campus mit Spuren oder Bezüge zur NS-Zeit umgehen.
Handelt es sich um einen Folge-AK?
Nein.
Wer ist die Zielgruppe?
Alle am Thema interessierte.
Wie läuft der AK ab?
Austausch über entsprechende Projekte an den unterschiedlichen Hochschulen
Voraussetzungen (materielle und immaterielle)
gerne Wissen um entsprechende Projekte
Materialien und weitere Informationen
Vorlage:Erinnerungskultur auf dem Campus
Protokoll vom 14.05.2026
Beginn
17:35 Uhr
Ende
18:00 Uhr
Redeleitung
Fritz (FU Berlin), Leo (FU Berlin)
Protokoll
Simon (Gießen)
Anwesende Fachschaften
- FU Berlin
- HU Berlin (Physik)
- Universität Erlangen-Nürnberg
- Universität Gießen
- Universität Köln (Physik)
- LMU München
- Universität Potsdam
Protokoll
https://pads.zapf.in/SoSe26_Goettingen_AK_ErinnerungskulturCampus
Die FU Berlin existiert erst seit 1948. Auf dem Campus liegen mehrere alte Kaiser-Wilhelm Institute, unter anderem wo Fritz Haber bis 1918 Kampfstoffe für den Giftgaskrieg hergestellt hat. Ebenfalls ein Institut für Eugenik und Rassenlehre (1927-1945).
2014 wurden bei Bauarbeiten Knochen gefunden, die vermutlich eher aus Knochensammlungen des Kolonialismus sind, aber es könnten auch welche aus Arbeitslager-Vergangenheit sein.
Es gab schon öfter Aktionen, mehr als nur Plaketten dazu aufzustellen. Die Initiative ging meistens von Studis und WiMis aus, Präsidium verhindert diese Aktionen eher.
In der Nähe des Campus ist ein Bauernhof/Freilichtmuseum und die haben herausgefunden, dass auf dem Gelände der heutigen Physik ein Kriegsgefangenenlager mit Zwangsarbeit war.
FS findet es sehr wichtig, das zu thematisieren. Dafür haben sie einen Rundgang mit dem Historiker des Museums organisiert, zu dem leider nur 1 Prof gekommen ist.
Hier in Göttingen hängt auch ein "Geschichte der Physik in Göttingen" Rundgang, in dem jedoch eher weniger zu NS-Zeit geschrieben wird (bspw Kontext, warum Profs ab 1933 nicht mehr gelehrt haben fehlt).
- LMU: Findet es ist wichtig, an Verbrechen zu erinnern, aber genauso sollten auch Erfolge/Positivbeispiele hervorgehoben werden
- Bspw Fokus auf Emmy Noether Universität hier in Göttingen
- Köln: Aktueller AStA geht jetzt Hörsaalumbenenunngen und Geschichtsaufarbeitungen an. Bspw Kurt Alder Hörsaal soll umbenannt werden. Auch Hörsäle mit Zahlen sollen in dem Zuge umbenannt werden für mehr Postivbeispiele v.A. auch marginalisierter Gruppen. Leider sind bei Lehrpersonen hauptsächlich Infos über weiße, männliche Personen bekannt
- FUB: Oft sind Gedenkstätten "einfach da" und man bekommt diesen Prozess, der dahin führt meist gar nicht mit. Im Fall der FUB lernen sie gerade, wie schwierig die Kämpfe dafür wirklich sind. Bspw wurden die Informationen über das Kriegsgefangenenlager nicht mit dem Physik Fachbereich geteilt sondern eher von der zentralen Univerwaltung vergessen oder "vertuscht"
- Potsdam: Ein Campus war Gelände des Roten Kreuzes unter den Nazis. Heute ist dort Kunst am Bau, die als Gedenkort angedacht ist inklusive einiger Infotafeln. Über den Prozess, der dahingeführt hat, weiß das Zapfikon nichts. Ein weiteres Haus wurde von der StaSi verwendet, dafür gibt es eine Infotafel an einem eher unpassenden Ort auf dem Campus (nicht direkt am Haus)
- Köln: Anfang des Monats zum Tag der Befreiung wurde ein Historiker eingeladen, der über die Rolle von Mathematik und Physik im Nationalsozialismus referiert hat. Im Vortrag wurde explizit auch ein Bezug zu heute hergestellt und das Thema hat insgesamt viele, auch Profs, angezogen und beschäftigt. Gleichzeitig feiert die Uni 100-jähriges Bestehen, in deren Zug auch die Zeit im Nationalsozialismus historisch beleuchtet wurde. Dabei wurde sich auch auf die Zeit nach dem Nationalsozialismus fokussiert, um Kontinuitäten (tw auch zu Kolonialzeit) aufzuzeigen. Der Bericht dazu wird leider derzeit anscheinend vom Rektorat zurückgehalten, weil der treibende Prof plötzlich verstorben ist. Die Robert-Koch Mensa wurde umbenannt (keine genaue Ahnung, inwiefern der problematisch war).
- Erlangen: War Vorreiterschule im Nationalsozialismus, dort gibt es noch eine Erwin-Rommel Straße (mit Schild gekennzeichnet, dass er möglicherweise im Widerstand war, aber kein konklusives Ergebnis) und eine Fritz-Haber Straße (Dort befindet sich kein Schild über sein Handeln im 1. Weltkrieg gibt auch keinen Druck von Studis), aber CSU Regierung wird das wohl nicht ändern.
- Köln: Hat sich von selbst gleichgeschaltet
- Gießen: Hat sich von selbst gleichgeschaltet
- Erlangen: Hat sich von selbst gleichgeschaltet
- LMU: Findet Umbenennungen nicht zwingend sinnvoll. Bspw gibt es in Berlin eine Straße, die nach einem Kriegsschiff benannt ist. Durch eine Umbenennung würde keine Auseinandersetzung mit der Historie mehr passieren.
- In Berlin gibt es eine Infotafel dazu
- In München wurde eine Iltisstraße "umgewidmet", um nach dem Tier benannt zu sein und nicht nach dem Kriegsschiff
- Simon: Kritische Auseinandersetzung mit Kriegsschiffen passiert vermutlich eher als mit Physiker*innen, die mensch aus anderem Kontext kennt und dann ggf eher "glorifiziert"/über Problematische Aspekte hinwegsieht.
- FUB: Geht es ja nicht um Namen/Umbenennungen, sondern explizit Tatorte. Es gibt eine Kritische Einführungswoche, wo solche Orte beispielsweise in kritischen Campusrundgängen thematisiert werden.
- Gießen: Es gibt auch eine kritische Einführungswoche, aber kann nichts dazu sagen, inwieweit da spezifisch Nationalsozialismus besprochen wird. Im Rahmen des Raumfahrttechnik Studiengangs geht es öfter mal um die Geschichte der Raketen und V2 findet Erwähnung, aber Zwangsarbeit wird da nicht ausführlich thematisiert.
- LMU: Starkes Gedenken an die Weiße Rose (Geschwister-Scholl-Patz, Museum im Unigebäude, Flugblätter in Stein gemeißelt auf Platz, Studierendenwohnheim danach benannt)
- HUB: Adlershof hat Wissenschaftsgebäude, die zur Prüfung von Flugzeugen im 2WK verwendet wurden. Bekommt nicht so viel mit, dass daran erinnert wird, aber es gibt eine Gruppe, die ab und zu historische RUndgänge macht. An langer Nacht der Wissenschaft in den Gebäuden gibt es immer auch Infotafeln dazu. FS hat Infoplakate von diesen historischen Rundgängen bekommen und die aufgehangen, manche FS-Mitglieder erzählen Studis teilweise auch davon. Die Waffenherstellung dort war auch mittels Zwangsarbeit, dort in der Nähe war auch ein großes Zwangsarbeitslager.
- HUB: Erwin Schrödinger Zentrum. Vor ein paar Jahren durften erstmals Menschen Schrödingers Tagebücher lesen und darin stehen wohl viele Referenzen auf problematische Beziehungen zu Schutzbefohlenen. Es gab eine "Infoveranstaltung" dazu, die aber sehr ernüchternd war. Vorwürfe wurden sehr stark zurückgewiesen und als Lügen dargestellt, um die Benennung des Erwin-Schröder Zentrums zu rechtfertigen.
- Erlangen: Es gibt ein Modul "Geschichte der Physik - Fachdidaktische Erkundung des Deutschen Museums", aber was genau es ist, ist unklar.
Wie zufrieden sind wir mit dem Umgang mit der Erinnerungskultur an unseren Unis? Was sollte da thematisiert werden und in welchem Rahmen?
- LMU: Gauß ist ein gutes Beispiel, der hat auch Mathematikerinnen unterstützt
- Generell wollen wir vermutlich schon insgesamt mehr Erinnerungskultur
- Gießen: Es gibt ganz coole Gedenkprojekte, aber eher vom Lehramt und der AG Holocaustliteratur aus. Vor Ort am Fachbereich hat niemand Kapazitäten, Engagement, etc. für das Thema
- FUB: Steine werden hauptsächlich vom Unipräsidium in den Weg gelegt, nicht unbedingt auf Fachbereichsebene. Dabei ist aber fraglich, ob das eine aktive Entscheidung ist, oder ob die Kommunikation von oben nach unten einfach nicht gut funktioniert (dafür gibt es auf jeden Fall Beispiele). Es scheitert hauptsächlich am Engagement vor Ort. Wollen aber demnächst einen Antrag an den Fachbereichsrat schreiben für einen Gedenkort, möglichst intern ohne das Präsidium zu fragen geschweige denn an die Stadt zu gehen.
- Potsdam: Recherchieren teilweise selbst im Freundeskreis, sonst passiert vor Ort nicht so viel. Einzelne Profs droppen mal Infos über Nazis in einem Nebensatz.
- Köln: Geschichtsaufarbeitung ist meistens einfach nur, was sich alte weiße Männer seit Jahrzehnten erzählen und wird dementsprechend einfach weitergegeben.
- FUB: Professur für Wissenschaftsgeschichte und Geschlechterforschung in der Physik: Institut für Radiumforschung in Wien 1920-30 hatte 50% Frauenanteil, hängt vielleicht mit Marie Curie als Vorbild zusammen.
- HUB: Überarbeiten gerade ihren Bachelorstudiengang und wollen versuchen, dort Themen zu Gleichstellung und guter Wissenschaftskultur mit in den Lehrplan mit aufzunehmen. Dort gibt es oft widerrede, dass es ja einzelne Wahlkurse dazu gibt, aber es sieht gerade gut aus, dass ein Einführungsmodul verpflichtend dazu eingeführt wird. Fraglich, wer das dann lehren soll.
- Ziel des AKs war auch einfach der Austausch und einen Stein anzustoßen, sich vielleicht mehr mit dem Thema zu beschäftigen vor Ort. Das haben wir hoffentlich erreicht :)
Wie machen wir weiter?
- Reso vermutlich nicht sinnvoll, weil FSen keine Kapazitäten und Unis keine Gelder
- Eventuell eine Frage in den Austausch-AK geben, damit mehr Infos von anderen FSen reinkommen
- Vorstellung des AK-Ergebnisses mit einem Aufruf verknüpfen, mehr vor Ort zu recherchieren
- Folge-AK mit Updates von der FUB und ggf Recherchen anderer Unis
Zusammenfassung/Ausblick
Hier ist eine kurze Zusammenfassung (ggf. mit einem kurzen Ausblick) des AKs einzutragen. Die Aufgabe fällt den Protokollantika des AK, in erster Linie jedoch den Leitika des AK zu.
Bitte überlege vorher, ob der AK vielleicht in eine bereits existierende Kategorie einordbar ist (im Liste aller Kategorien unter Inhalte).