SoSe25 Zahllose didaktische Verbesserungsideen und dennoch bleibt alles beim Alten?
Vorstellung des AKs
Verantwortliche*r: SreFoFo / Stefan
Einleitung und Ziel des AK
Als sinnlos empfundene Lehrveranstaltungen gehören zum Alltag an Universitäten, sowohl für Studierende als auch für Lehrende. Beispiele für solche Formate sind etwa Vorrechen-Übungen, geprägt von angespannter oder gelangweilter Stille, fehlender Interaktion und vom-Blatt-abschreiben, Literaturseminare, in denen Professor*innen mit PostDocs diskutieren und die restlichen Anwesenden nicht folgen können, oder Praktika in denen historisch korrekt das Fadenpendel 100 Mal ausgelenkt wird, um genug Daten für eine Fehlerrechnung zu haben. Beispiele, wie es besser geht, gibt es inzwischen zahlreich.
In diesem AK wollen wir der Frage nachgehen, warum jenseits von Einzelinitiaitven die Lehre immer wieder in bekanntermaßen schlechte Formate zurückfällt. Angesichts der Tatsache, dass die Mainstream-Formate im Ausland teils ganz anders aussehen, wollen wir der Frage nachgehen, inwiefern sich dies aus den Rahmenbedingungen ergibt und was sich daran durch Studienreform ändern lässt.
Dieser AK ist mehr oder weniger eine Wiederholung des Workshops, den das Studiernreformforum auf der DPG-Tagung in Göttingen mit Lehrenden gemacht hat. - Mal sehen, was die Unterschiede im Ergebnis sind und was sich daraus lernen lässt.
Handelt es sich um einen Folge-AK?
Knüpft indirekt an zahlreiche AKs zum Thema Studienreform an
Wer ist die Zielgruppe?
Menschen, die in Studienreform involviert sind oder sich damit befassen wollen
Wie läuft der AK ab?
Einführung + Gruppenarbeit + Plenumsdiskussion
Was ist das Studienreformforum?
Das Studienreform-Forum ist eine Initiative von ZaPFika, die seit 2018 zusammen mit dem Fachververband Didaktik der DPG Erfahrungen und Argumente rund um Studienreformen dokumentiert, systematisiert und bildungsphilosophisch und -politisch reflektiert.
Dabei wird immer das Zusammenspiel von (a) Gestaltung der Einzelveranstaltung, (b) der Konzeption des Gesamtstudiengangs und (c) der Kultur im Fachbereich in den Blick genommen, was ansonsten wenig passiert, weil dies in dieser Ganzheitlichkeit kaum und nur langfristig empirisch zugänglich ist.
Auf den DPG-Frühjahrstagungen und auf der ZaPF werden regelmäßig Zwischenergebnisse vor- und zur Diskussion gestellt, weiterentwickelt und später in PhyDid B publiziert.
Mitstreiter*innen, insbesondere ZaPFika, die vor Ort in Diskussionen und Kontroversen zur Studienreform involviert sind, ihre Erfahrungen gemeinsam diskutieren und für andere fruchtbar machen wollen, sowie dies bildungsphilosophisch reflektieren wollen, werden immer dringend gesucht.
SoSe25 Zahllose didaktische Verbesserungsideen und dennoch bleibt alles beim Alten?
Protokoll vom 01.05.2025
- Beginn
- HH:MM Uhr
- Ende
- HH:MM Uhr
- Redeleitung
- Vorname Nachname (Uni)
- Protokoll
- Sophie Meißner (Uni Bayreuth)
- Anwesende Fachschaften
- Universität Bayreuth,
- Humboldt-Universität zu Berlin,
- Technische Universität Berlin (Naturwissenschaften),
- Universität Bielefeld,
- Ruhr-Universität Bochum,
- Universität Duisburg-Essen; Standort Essen,
- Emmy-Noether-(Georg-August) Universität Göttingen,
- Universität Greifswald,
- Friedrich-Schiller-Universität Jena,
- Technische Universität Kaiserslautern-Landau - Landau,
- Karlsruher Institut für Technologie,
- Universität Leipzig,
- Universität Regensburg,
- Universität Rostock,
- Universität Wien,
Protokoll
Regelung 2:
- 50% Übungspunkte
- 3 x mal Vorrechnen
- Lernsituation oder Prüfsituation?
- low: Prüfsituation
- high: Lernsituation
- wichtigen Stoff kennzeichnen
- Wie aktiviert die Übung?
- low: nicht bzw. siehe Prüfsituation
- high:
- sinnvolles nachfragen, wo Menschen hängen bleiben
- aktives Lösen von Aufgaben
- Bewegung durch Gruppenarbeit
- Vorbereitungsfragen
- Fördert die Übung tieferes Verständnis?
- low: nö.
- high: ja.
- low effort
- Übungsseriengestaltung: wenige große Aufgaben
- Erste Stunde: Wann wer dran ist festlegen
- Ankreuzen welche Aufgaben bearbeitet wurde (dabei reichen 50%), Stichprobenartige Kontrolle durch das Vorstellen
- Stunde Vorbereiten
- keine Aufgaben (bzw. keine Kontrolle)
- high effort
- freiwilliges Vorstellen der Aufgaben
- fair, was genau vorgestellt werden muss
- Flexibelität bei den festgelegten Grenzen
- Personen mit guten Lösungen im Vorhinein anschreiben
- Wenn Zeit: Wdh- oder Vertiefungsblock, Fragen von Studis
- Ziele für die sich Person einsetzt:
- Bonuspunkte für die Klausur
- Präsenzaufgaben in Kleingruppen zum Vertiefen des Stoffs
- ggf. 2 Gruppen individualarbeit mit schließender Bewertung duch eine Person aus der anderen Gruppe
- basically 3 und 4 integrieren in das was die Übungsaufgaben auch immer sind
Regelung 1: Unmotivierter Übungsleiter: Jede und jeder muss vier Aufgaben abgeben, die werden bewertet. Motivierter Übungsleiter: Problem ist, dass man vier Teilleistungen braucht. Jede Woche gibt es n Probleme, die zum Thema passen (z.B. Stromnetz funktioniert nicht). Studierende suchen sich ein Problem aus und bereiten Lösung dafür vor (auch in Gruppe). Dann kann man die Vorschläge von anderen ansehen und auch Verbesserungsvorschläge erbringen. Außerdem gibt es moodle-Aufgaben (das ist ein online-Tool, wo man Aufgaben stellen kann) mit unendlich vielen Versuchen, die motivierte Studierende zusätzlich noch machen können. Regelung 2: unmotivierter Übungsleiter: In der ersten Stunde wird festgelegt, wann wer vorstellt. Die Übungsaufgaben werden also von den Studierenden vorgestellt. Die Studierenden müssen am Ende ankreuzen, welche Aufgaben sie bearbeitet haben, damit wird das Bestehen der 50 Prozent Hürde überprüft, ohne dass wirklich Aufgaben eingesammelt werden. motivierter Übungsleiter: Vorstellen basiert auf Freiwilligkeit, Individuallösungen für die 50 Prozent Hürde und das Vorrechnen können gefunden werden. Aufgaben sollten vergleichbar schwer sein, damit es fair ist. Die Übungszeit sollte insbesondere zur Wiederholung und Vertiefung dienen. Man könnte zum Beispiel in Kleingruppen arbeiten. All diese Ideen sind aber im Rahmen der Regelung nur schwer umzusetzen. Regelung 3: unmotivierter Übungsleiter: Entweder klassisch: Abgabe von Übungszetteln mit Vorrechnen, Oder: Studierende erstellen Poster motivierter Übungsleiter: Bastelversuche, Präsenzkonzept wo man in Begleitung des Übungsleiters die Aufgaben löst. 4.) Ideen/Gedanken Nicht wirklich Bewertung sondern eher Fleißaufgabe in minimalversion Studis bekommen gutes Feedback und in einer Präsenzübung Unterstützung beim Korrigieren und problematische Aufgaben werden besprochen
Es aktiviert die Studis sehr gut, da sie sich aktiv mit den Lösungen auseinandersetzen.
Studierende korrigieren nicht nur, sondern vergeben auch Punkte.
Typische Fehler werden am Ende gemeinsam besprochen (was aber auch wieder schnell in Richtung Frontalunterricht tendiert)
Worst Case: Es reicht schon, wenn nur zwei Personen das Blatt bearbeitet haben, diese Abgabe korrigieren dann alle.
Erfahrungsbericht zu Regelung 4: Dieses Konzept wurde mal so genutzt, dass man sich dann auch wirklich mit der Person, die die eigene Abgabe korrigiert hat, unterhalten konnte, und so in Diskussion kommen konnte. Gutes Konzept auch: Studierende müssen den Dozierenden schon vorher Fragen schicken. So erkennt der Übungsleiter zum einen erst, wo eigentlich die Probleme liegen, zum anderen ist sichergestellt, dass die Studierenden sich schon vor der Übung mit dem Thema beschäftigt haben. Wichtiger Teil der Übung sollte sein, dass ein Anfang in das Thema gefunden wird, so werden dann die Studierenden auch motiviert, weiterzumachen.
Diskussion: Wie sinnvoll sind solche Regelungen? Pro sinnvoll: Geben Leitlinien, Worst-Case ist je nach Regelung unterschiedlich schlimm. Zum Beispiel Regel 3, wo es explizit mindestens zwei Prüfungsformen geben muss, regt schon dazu an, sich Gedanken zu machen.
Contra sinnvoll: Schränken Handlungsbereich für motivierte Dozierende ein. Zum Beispiel Regelung 2 lässt sehr wenig Spielraum. Andererseits kann man viel auslegen/auffangen, zum Beispiel einfach Musterlösung rausgeben, um 50 Prozent Hürde trivial zu machen. Aber wieder andererseits nimmt das Vorrechnen hier wahrscheinlich schon einen Großteil der Übungszeit in Anspruch.
Beispiel Uni Wien: Dort wurde in einem Fach die Anwesenheitspflicht abgeschafft, was dazu geführt hat, dass sehr viel weniger Leute in die Übung gingen (aus Zeitgründen). In anderen Veranstaltungen gibt es in jeder Übung Mini-Tests, die Leute dazu bringt, schon im Semester zu arbeiten und nicht erst kurz vor der Prüfung am Ende.
Ist der Zwang etwas, was man haben will? Die Übung ist dafür da, sich auf die Prüfung vorzubereiten. Das heißt, kleine Tests zwischendurch können auch dabei helfen, zu sehen, wo man selber steht.
Solange einzelne Fächer Zwänge haben, leiden die Fächer, die nicht regulieren.
Zu Regelung 2: Das wurde eingeführt als Bachelor/Master System eingeführt wurde, weil die Erwartung da war, dass das neue System die Motivation senkt. Später wurde aber festgestellt, dass die Regelung eher einfach in erster Linie zu einem unguten Verhältnis zwischen Dozierenden und Studierenden führt und die Studierenden durch Schummeln die Regeln umgehen. Außerdem wurde festgestellt, dass Leute genauso dazu motiviert werden, zur Übung zu gehen, wenn ihnen die Übung etwas bringt, wie wenn sie dazu gezwungen werden. Viel hilft auch persönliche Ansprache, wenn man zum Beispiel schon vor der Übung erfährt, dass man einen Fehler gemacht hat, der in der Übung besprochen werden wird oder schon vor der Übung die Möglichkeit hat, Fragen zu stellen. Die Gefahr mit Zwängen in der Übung liegt auch darin, dass sich verschiedene Veranstaltungen gegenseitig überbieten und die Anforderungen immer höher werden.
Andererseits helfen die Punkte auch dabei, einzuschätzen, ob man die Klausur bestehen kann. Wenn man weniger als 50 Prozent hat, wird man wahrscheinlich ohnehin die Klausur nicht bestehen. Anwesenheitspflichten in der Übung sind schwierig, weil man damit potenziell Zeit in einer schlechten Übung verliert.
Die 50 Prozent Hürde schränkt die Studierenden ein: Wieso sollte es nicht erlaubt sein, alle Übungszettel erst kurz vor der Klausur zu bearbeiten, wenn man selbst damit gut klar kommt? Regeln sollten immer auch Freiheiten lassen.
Es sollte nicht zu viele Regelungen geben, da es auch Teil des Studiums ist, sich selbst zu organisieren und damit auch ohne Regeln von außen eine Klausur zu bestehen.
Mit der Grundannahme, dass Studierende Physik studieren, weil sie das gerne möchten, bedeutet das, dass das Studium eher begleiten als zwingen sollte um so selbstbestimmtes Lernen zu ermöglichen.
Protokollpad
https://pads.zapf.in/SoSe25_Erlangen_AK_Didaktische_Verbesserungsideen
Zusammenfassung/Ausblick
Formate sollen darauf ausgerichtet sein, Lehr- und Prüfungssituation zu trennen
Man sollte nicht nur Feedback bekommen, sondern auch mit dem Feedback weiterarbeiten (sowohl als Studierender als auch als Dozierender)
Formate, die Schummeln fördern, sind nicht zielführend.
Kommentar der Uni Wien (wo es wöchentliche Tests gibt): Ja, Schummeln wird tatsächlich gefördert.