WiSe23 AK WissZeitVG

Aus ZaPFWiki

Arbeitskreis: AK

Protokoll vom 28.10.2022

Beginn
17:10 Uhr
Ende
20:00 Uhr
Redeleitung
Martin, Jörg, Vicky (Alte Säcke)
Protokoll
u.a. Sophie
Anwesende Fachschaften
Universidad de los Saccos Veteres,
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V.,
Humboldt-Universität zu Berlin,
Ludwig-Maximilians-Universität München
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Technische Universität Berlin - Naturwissenschaften,
Technische Universität Berlin - Physik,
Technische Universität München,
Universität Duisburg-Essen - Duisburg,
Universität Hamburg,
Universität Leipzig,
Universität Osnabrück,
Universität Potsdam,

Universität Münster,


Protokoll

Willkommen zur Desillusionierung.

Wer hier weiß, was das WissZeitVG ist? - Ca. 90% weiß bescheid.

Wer hat schon einmal Geld verdient? ~50%

Bitte die eigene Uni selber eintragen, denn wir müssen Zeit sparen. Noch haben wir 6 Jahre Zeit, bald vielleicht aber weniger.

Jörg gibt mit seinem unbefristeten Job an. Vicky ist (leider) noch in der Wissenschaft tätig und Martin ist schon geflohen.


So, jetzt nochmal ernsthaft

Wir machen hier die Fortführung aus Berlin. In diesem AK sind wir am Ende zu Personalstrukturen gelangt, und heute wollen wir einmal intensiver darauf eingehen.

Im Normalfall sind Arbeitsverträge außerhalb der Wissenschaft unbefristet (abgesehen von der Probezeit und vorerst befristen Verträgen, die meist nach einer Weile entfristet werden.)


Teilzeit- und Befristungsgeset (TzBfG):

  • Sachgrund
  • Sachgrundlos 2 Jahre

[WissZeitVG](https://www.gesetze-im-internet.de/wisszeitvg/WissZeitVG.pdf) \*2004, damals noch als Notlösung:


Das WissZeitVG kam damals auf als das HochschulReformGesetz als Verfassungswidrig geregelt wurde.

Das WissZeitVG regelt hauptsächlich 2 Zeitperioden: die Zeit zwischen Promotionsbeginn und Promotion, und die Zeit nach der Promotion.

Das Gesetz schliesst unbefristete Arbeit nicht aus, aber es setzt eine obere Grenze an die Dauer der Summe der befristeten Arbeitsverträge.

(vorher als Studentische Hilfskraft): bis 6 Jahre

Zwischen Promotionsbeginn und Promotion: 6-t Jahre

Nach Promotion: 6+t Jahre (+2k)

"+t" bezeichnet dass man nicht verbrauchte Zeit von der Zeit vor der Promotion noch aufbrauchen kann.

"+2k" bezieht sich darauf dass jedes Kind, jede Pflege eines Familienmitglieds, etc das ganze nochmal um 2 Jahre verlängert.

  • TU München Frage: wie sah das Gesetz vor dem WissZeitVG bzgl der Befristung aus?
    • Das Gesetz sprach sich gegen Habilitationen aus.
  • War davor alles auch schon befristet?
    • Ja/nein: in den ~70ern waren alle tendentiell verbeamtet: also auch wenn man eine Promotion gemacht hat war man ein Beamter.
    • Der Rahmen war eigentlich einfach kleiner weil jeder Prof i.d.R. nur so 2 Promotionen hatte.
    • Dann kam die Öffnung der Hochschulen, und der hochschulische Mittelbau.
    • Es gab auch vor dem WissZeitVG schon befristungen, die liefen dann oftmals übers so Kettenbefristungen, das wollte eigentlich das WissZeitVG auflösen, damit die Forschenden irgendwann eine Sicherheit haben, dass sie eine feste Stelle haben.
    • Das hat nicht so gut geklappt
      • Sachgründe: Qualifikation wird im WissZeitVG (nicht so genau definiert) und zeitlich begrenzte Projektmittel (DFG)
      • "Bonus" wenn Promotion unter 6 Jahre: verbliebene Zeit wird aufgerechnet
      • außerdem gibt es noch Möglichkeiten, diese Zeit noch zu verlängern
        • Kinder / Pflege von Angehörigen
        • Drittmittel: Übergangszeit durch Unis
          • Das ist oftmals für die Uni bequemlicher
          • Auf Drittmitteln kann man auch "ewig" studieren weil das WissZeitVG da nicht greift
          • Das ist quasi-unmöglich

Anmerkung: Mit Drittmittel: gilt auch unter Befristung als Qualifikation, richtig? -> Korrekt.

Frage: Was ist eine Qualifikation nach der Promotion? Das ist doch die höchste Qualifikation?!

Das ist tatsächlich ein eigenes interessantes Thema. Der europäische Qualifizierungsrahmen sagt "ja". Die Deutsche Politik und die Hochschulen sagen "nein", das sei die Habilitation. WEnn du im Rahmen einer Professur eine Qualifikation mitbringen musst, ist das ja aus dem Ausland nicht wirklich möglich, wie soll das gehen.

Es gibt dann von den Unis so Listen von Qualifikationszielen: ein paar lustige Beispiele:

   * Sammlung von Erfahrungen im Deutschen Hochschulsystem
   * Vorbereitung für Arbeit ausserhalb der Wissenschaft

Es gab irgendwann mal ein Zitat dass alles was in der Hochschule stattfindet auf eine Qualifikaiton hinarbeitet, dh also auch dieser AK :)


Auswirkungen

93% der in der Wisschaft Beschäftigten haben nur einen befristeten Vertrag, das ist höher als in allen anderen Ländern. 3,5% Befristungsquote in Deutschland insgesamt.


Außerdem gibt es noch Stipendiaten von Begabtenförderung.


Noch eine Take Home Message: Stipendium für eine Promotion lehnt man ab, ist Schenkung unter Auflage. Arbeitsvertrag ist wichtig für die Rente.


Frage: wie verhalten sich Stiftungen wenn man sagt "joa, aber Vertrag pls"?

Halbe Stelle, wo MP o.Ä. auch noch einen Arbeitsvertrag ausstellen müsste? Nö.

Oder Unis sagen du sollst mit einem Stipendium arbeiten, und dann hast du das selbe Problem. Du bekommst dann zB noch 2 HiWi Stellen mit denen du dann noch die Lehre machen sollst, aber das sollst du ja eigentlich auch nicht machen.

Nach Auslaufen des Stipendiums erhält man kein Arbeitslosengeld.

Frage: Bei Selbstständigkeit: Wenn ich mich selbst von meinem Stipendiumsgeld anstelle, geht das?

AW: Es bleibt dann nur die Hälfte für dich selber übrig, aber klar :)

Frage: HiWi jobs für Promovierende, sind auch die theoretisch auf 6 Jahre befristet? Wie sieht es aus wenn dann die 6 Jahre durch sind?


AW: Üblicherweise verschiedene Sachen. Nach §6 üblicherweise SHK, danach anderes Anstellungsverhältnis

Aber eigentlich sind das Stellen für _während_ dem Studium, nicht für die Promotion. Und ja, Promotion ist die erste Phase wissenschaftlicher Arbeit, nicht mehr Studium. Manche Bundesländer machen das trotzdem, das ist halt scheiße!


Nochmal, lest das WissZeitVG! (https://www.gesetze-im-internet.de/wisszeitvg/WissZeitVG.pdf)

Arbeitsverträge vor dem Unterschreiben lesen!

Befristungen bedarfen immer der Schriftform. Wenn ihr ohne Arbeitsvertrag anfangt, dann habt ihr "automatisch" einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Müsste man aber einklagen.

Kommentar: Ja, richtig, aber holt euch lieber eine Gewerkschaft noch ein denn es ist Indivualrecht. Außerdem braucht man einen Zeugen dafür

Generell: Gewerkschaft = gut :)

und lest eure Arbeitsverträge.... Viele in der Wissenschaft beschäftigten dürfen zum Beispiel keine Lehre machen (normalerweise alle über Drittmittel).

Frage: Warum befristen Unis so gerne Verträge? Ohne diese befristeten Verträge ist es schwierig, die Leute wieder loszuwerden. Beispiel aus Fachschaft: Vor einigen Jahren wurde eine permanente Coaching-Stelle ausgeschrieben. Die Person, mit der die Stelle besetzt wurde, betreibt quasi Arbeitsverweigerung. Was kann man hier machen?

AW: Das Deutsche Arbeitsrecht sagt Grundsätzlich "wir wollen unbefristete Verträge". Der Arbeitgeber hat die Verantwortung bei der Einstellung und auch die Pflicht dann zu künidgen wenn es halt nicht mehr klappt, ist bei öffentlicher Arbeit schwierig aber nicht unmöglich.

Jemand muss im WissZeitVG wissenschaftlich tätig sein. Eine Coaching-Stelle fällt da nicht darunter.

Die Wirtschaft kommt ja auch damit klar das in der Regel ca 5% nicht arbeiten. Damit sollte auch die Wissenschaft klar kommen können, ist also kein guter Grund für diesen Hang in der Wissenschaft nur befristete Arbeit zu machen.


Warum ist das alles so? \begin: Werbeblock: Buchempfehlung #ichbinhanna Bezieht sich auf: Woher kommt der Eindruck dass wir diesen "Durchlaufhitzer" betreiben, dass man immer nur neue Leute braucht und auf-braucht damit die Wissenschaft funktioniert?

NGAW.ss GEW Kampagne aus den 60ern?

Nun gab es ja dieses Eckpunktepapier, zu dem die ZaPF eine Stellungnahme geschrieben hat. Es gibt inzwischen auch einen Referent:innenentwurf für die Novellierung

Das große Problem ist dabei eher dass wir die Zeit nach der Promotion von "6+t" auf "4+t" (mit einer Option das um 2 Jahre zu verlängern mit Tenure Track Möglichkeit) kürzen wollen.

Die Idee die sich wahrscheinlich abspielen würde ist dass niemand diese 2 Jahre aushändigt und damit der "Durchlaufhitzer nur noch heisser wird".

Es gibt da aktuell wenig Hoffnung da noch was zu reißen.


Idee: Länder sind für Personalstruktur verantwortlich - es könnten Gesetze hierfür in die Hochschulgesetze geschrieben werden.

Aktuell schieben sich da sich Bund und Länder die Verantwortung für diese Gestaltung der Personalstruktur zu und spielen Schwarzer Peter.

Das WissZeitVG verbietet ja keine unbefristete Arbeit in der Wissenschaft. In Berlin gibt es zB ja auch unbefristete SHK stellen, die sich erklagt wurden (yay!).

Frage: In Berlin haben SHK-Stellen mindestens 2 Jahre Vertragslaufzeit. Sind die jetzt besser stehend als als Promotionsstellen? --> ja kind of, nur Lohn ist halt mies im Vergleich, (Mindestlohn +1 ct)

Fazit: Hochschulen sind kreativ, wenn es darum geht, die Leute schlecht zu bezahlen.

Es gibt natürlich leider auch genügend Leute die an Hochschulen ohne Bezahlung Arbeiten.

Prognose von Martin: Verbesserung bei Promotion und SHK-Mindestvertragsdauern sowie Pflege- und Elternzeiten. Im Bereich des PostDocs wird wahrscheinlich nichts passieren. Nichtdestotrotz ist die Vermutung dass wenn der Versuch was zu Verbessern der ____ dann auch noch was tun könnte.

    1. Personalstrukturen!

Die Länder müssen bestimmen wie die Personalstrukturen gestaltet sind.

Berlin §110 mit Anschlusszusage

Hessen: Lektor (als unbefristete Mittelbaustelle)

Bremen: hat schon relativ lange eine andere unbefristete Mittelbaukategorie

Bayern: akademische Räte (aber auch die gibt es zum Teil auf Zeit, da ist man 4-6 Jahre verbeamtet)


Diverse Lösungen, ein regelrechter Zoo an Umsetzungen: Vermutlich ist das die nächste große Diskussion


Die ZaPF sollte sich klar positionieren dazu wie Personalstrukturen an den Hochschulen aussehen sollen.

Gedanke: Braucht man für das Wissenschaftsystem überhaupt noch Professuren? Sollte man die Strukteren nicht viel mehr in Richtung von Teams entwickeln?

- BerHG §110

In Berlin wurde gesagt man solle PostDocs auf Haushaltsstellen nur noch mit Anschlusszusage ausstellen. D.h. unter Auflage von gewissen Leistungen bekommt man dann eine Zusage eines unbefristeten Vertrags. Hat dann zunächst für einen Einstellungsstopp von PostDocs gesorgt.

Da gab es dann personelles Wirrwarr, Rücktritte, Klagen, etc.

Abgesehen davon hat jetzt Berlin diese Regelung, das bringt mit sich dass sich Dinge jetzt zwangsweise ändern müssen.

Da kamen jetzt auch eine Liste von legitimen Problemen, aber darüber sollten wir nachdenken. Wie sollten Unis eigentlich aussehen?

      1. Wie funktioniert Wissenschaft aktuell an den Hochschulen?

Hochschulen machen aktuell keine Planungen (außer Outsourcing) für zukünftige personelle Bedürfnisse.

Im Rahmen der WIssenschaftsfreiheit müssen Wissenschaftler:innen selbstständig Lehre und Forschung machen können --> Dafür müssen auch Mittel bereitstehen Ziel ist ein Positionspapier, also: Was denkt die ZaPF? Arbeiten in der Wissenschaft aus studentischer Sicht.

DAmit wir, der StAPF und Fachschaften eine Position haben, mit der sie dann gegebenfalls im Gesetzgebungsprozess arbeiten können.

Das ganze muss man in den Rahmen setzen dass wir hier mit 16 Bundesländern da teilweise unterschiedliche Rahmen berücksichtigen müssen.

TU Darmstadt hat als Sonderfall viele nicht verbeamtete Professuren eingestellt, infolge dessen wollte da keiner mehr arbeiten. :(

Bayern regelt auch gesondert.

Frage: Gibt es Positivbeispiele (u.A. auch aus dem Ausland) an denen man sich Orientieren kann?

So richtig makellose gibt es nicht, auch wenn zB viel von dem Angelsächsischen System die Rede ist, was aber nicht heißt dass es ein Gutes ist.

Es ist zwar mehr die Norm dass man Tenure erlangt, das aber auch unter einem erhöhten Trend an "Hire and Fire" und ziemlichen Burnouts um sich an diese Tenure hinzuarbeiten.

Spanien hat zB auch letzens beschlossen dass Wissenschaftliche Stellen nur noch unbefristet sind. Das führt auch zu interessanten Situation dass zB die Hinterbliebenen eines in Rente gegangenen Profs unter sich eine Nachfolge wählen sollen.

Skandinavien: Hat flache Hierarchien, teamorientiert, hat auch Tücken

Ö: Hat vor Kurzem die Hochschulen in die Autonomie entlassen, das hat dazu geführt dass man einen großen Tarifvertrag ausgehandelt hat, (6 Jahre lang, Gewerkschaften waren vorbereitet, Hochschulen mussten erstmal wissen was sie überhaupt wollen)

CH: hat keine Gesetzgebung dazu, die Hochschulen sind dem Eidgenössischen Department für Wirtschaft uterstellt, was aber dazu führt dass die Arbeitsbedingungen torzdem nicht wirklich besser isnd.

Das zeigt ggf auch die strukturellen Probleme, dass man es weder über Bund noch über Tarifverträge etc löst, und dass es irgendwo dem ganzen Hochschulsystem innewohnt.

Personalstrukturen sind hierfür ein möglicher Hebel .

Wenn wir Professuren abschaffen wollen dann scheinbar in allen 16 Bundesländern gleichzeitig (wenn man dass denn will).

Man könnte natürlich auch sagen "so wie ihr mir, so auch euch" und die Professuren auch befristen.

Oder Professur für alle!

Beispiel aus Ö: Graduiertenschulsystem. WEnn man Promoviert betritt man eine Promoviertenschule und muss dann in 3 Jahren abschliessen oder fällt halt raus. Man kann dann noch danach neben der Arbeit versuchen fetig zu werden, aber dass halt noch unter der Auflage 3 Paper zu veröffentlichen usw.

Es gibt ja in Deutschland die Freiheit von Wissenschaft und Lehre _______ wenn der Bund Gelder and UNis verteilt, dann bestimmt der wofür dass verwendet wird, und woran geforscht wird. Und dadurch auch direkt hineinpfuscht was getan wird

AW: Es gibt eine Freiheit von Forschung und Lehre. Siehe das 73er Urteil. Was relativ klar ist dass die Hochschullehrer:innen und die Wissenschaftler:innen wissenschaftliche Freiheit haben und die Studis ggf auch.

DFG: Staat hat Interesse, bei der Forschungsfreiheit steuernd einzugreifen.

Wobei der Anteil dieser Drittmittel in den Hochschulen bei 2-3% lag.

Parallel zum WissZeitVG wurde bestimmt dass die Länder die Wissenschaft in ihrer Struktur bestimmen, aber dass auch damit einhergeht dass der Bund nicht mehr die Hochschulen fördert.

Als Konsequenz davon enstand die DFG in ihrer heutigen Form, damit darüber der Bund dann doch noch die Hochschulen förndern kann, da diese ohne den Bund ziemlich Probleme bekamen.

Frage: Warum macht man sich der Position "DFG und Max Planck abschaffen" keine Freunde?

AW: weil die Lobby da ziemlich groß ist, und die ganzen Professoren daran Vorteile beziehen.

Kurzer Einschub zu Wissernschaftsfreiheit (Freihiet Forschung und Lehre): kann nur ausgelebt werden wenn bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sind. Man muss natürlich Wissenschaftler:in sein, und der Gesetzgeber muss sicherstellen dass die Mittel, das Personal und die Strukuren zur Aussübung dieses Gesetzes existiern.


Fazit: shit is complicated

Drittmittelprozess mit DFG könnte auch verfassungswidrig sein.....


Wie stellen wir uns Uni/Wissenschaftsbetrieb vor? Let's think about Wissenschaftsutopie

Traumdenken:

  • es ist komisch dass eine Promotion eine Qualifikation darstellt, aber eine Promotion auch nicht klar ist wie lange das dauert
    • man sollte also entweder sagen wie lange so was dauert, halt das Forschungsprojekt entkoppelt betrachten
  • Aktuell muss man praktisch die Leute so lange Promovieren lassen wie sie brauchen, damit sie nicht dann weg sind und man vergisst wie man macht was die machen.
  • Wenn man das mit einem Hard Cut 3 Jahre lösen würde, wäre ja da der Anreiz dass man Leute beibehält
  • Probezeit a lá Tenure Track direkt nach der Promotion oder projektbezogene Beschäftigungen haben

In der Wirtschaft macht man ja effektiv auch nur entweder unbfristete Stellen oder arbeitet an spezifizierten Projekten.

Was könnten noch Beweggründe sein?

  • zB zum Thema Lehre, wenn man eine MA/BA macht und die Arbeitsstellende Person aufgrund von Befristung dann doch wieder weg ist,
  • oder bei Vorlesungen dass die dann von einer Drehtür an Leuten gehalten werden etc

Vielleicht könnte man auch eine Anektodensammlung anlegen, was in der Arbeitswelt an Hochschulen so alles schiefläuft.


Bsp: Arbeitsgruppe in der Theorie die ~70 Leute fasst. Der Chef ist da kaum im Kontakt mit der Gruppe, der jettet durch die Welt und bekommt aufgrund des hohen Outputs der Gruppe auch gut Gelder die man dann dann nutzt um diesen Personalschneeball weiter zu rollen. Das führt dazu dass man weitesgehend nur noch selbstständig und ohne Betreuung arbeitet. Das kann schon funktionieren, ist halt anders.

Zum Thema Differenz Forschung und Lehre: wir zwängen ja in einer Professur diese beide Themen in eine Rolle, und das geht ggf schief. Sollten Forschungs- und Lehrjobs getrennt werden?

Es gibt zB in Berlin Stellen die faktisch nur auf Lehre ausgelegt sind. mit ca 16 SWS reine Lehre mit Vor- und Nach-bereitung. Das kann man niemanden zumuten, weil dann nichts daneben geht.

Rückfrage, kann man das denn Entkoppeln? Der Stand der Wissenschaft ändert sich ja andauernd und lebt von der Diskussion. Deswegen auch kein Fan von der MPG.

Gegenmeinung Jan: Lehrstellen sind sinnvoll, solange man nicht noch nebenbei die Forschung erwartet. Vor allem die VL aus den Semestern 1-4 kann man doch gut auf dedizierte Lehrende legen. Bei spezialisierten VL aus dem Master zB geht dass dann eher nciht. Ein:e Prof kann bei 8 SWS plus Forschung plus Dritmitteleintreibung allem kaum gerecht werden.

Benedikt: Cool an der Uni gegenüber Schule ist, dass sich die Profs immer wieder in ihrer Forschung mit der Anwendung ihres Inhalts auseinandersetzen und deren Wissensfundus dadurch auch aktualisiert wird.

Osnabrück: Es ist natürlich wichtig dass die VL vor allem im Master auf dem Stand der Dinge sind. Aber man kann vor allem die Inhalte aus den Einführungsvorlesungen davon entkoppeln und an Didaktiker geben, und damit die Lehr/Forschungsposition entlasten könnte.

Vicky NNU: Ganz praktisch bei der ZaPF würden wir wahrscheinlich keine Meinung a lá dedizierte Lehrstellen durchbekommen. Noch nicht mal als Beispiel. Was dagegen große Zustimmung finden könnte ist dass man auf Didaktiskschulungen Wert legt.

-: Die Idee in den 1. vier Semestern Lernstellen zu machen ist nicht sinnvoll, da dann auch wegkommt dass man den Studis die höheren Themen vorstellt. Des Weiteren ist das auch eine Gelegenheit für Studis zB über SHK oder BA in der Forschung zu beginnen. Das ist ja basically nur Schule mit Extraschritten.

TUB, Gwynne: Idee ist intruiging, aber Uni sollte auch nicht verschulter werden. Idee: Jedes Institut sollte verpflichtend eine\*n Fachdidaktiker\*in angestellt haben, der/die ein Auge auf die Veranstaltungen hat


Samuel: Klarer Widerspruch zu der Vorstellung, dass man Vorteile davon hat wenn aktuelle Forschung betrieben wird von den Leuten die den Grundlagenstoff vermittelt der eh schon 100 Jahre alt ist. Das kann man stattdessen über andere Veranstaltungen wie zB Praktika, Seminare etc regeln, oder auch SHKs etc. ES scheint, dass Studis eher aufhören, weil Veranstaltungen schlecht sind und Inhalte schlecht vermittelt werden - weniger weil sie nicht aktuell dargestellt werden.

Jan: Vorschlag die Professoren durch Didaktiker:innen zu unterstützen ist unrealistisch weil sich Leute nicht reinreden lassen. Zweitens, wenn jemand an Studis rankommen möchte zB für HiWis, dann ist das auch über andere Termine sowieso möglich, und da würde mehr Didaktik nicht in die Quere kommen.

Benedikt: "Immer eine Fachdidaktiker:in dabei zu haben funkt nicht" - Menschen für das Didaktik-Konzept dabei zu haben, wurde in Münster ausprobiert, und das klappte super. Jemanden zu haben der die Didaktik sinnvoll koordiniert, sich um die Zettel Gedanken macht etc, war großartig. re: Wissenschaft ist alt, sehe ich den Punkt nicht. Die Anwendung verändert sich konstant, und alles was insofern konsequent keine Anwendung mehr findet sollte man eh nicht lehren. [Nachtrag: Historie vermitteln hat natürlich auch ihre Anwendung, aber in den Grundvorlesungen sollte man nicht primär nur Historie geben] Und die Nähe zur Anwendung zu haben ist extrem wichtig.

Jörg: Man sollte nicht vergessen, dass es auch den Forschenden etwas bringt, die Grundlagen zu lehren. Die Leute lernen auch noch etwas neues dazu jedes mal wenn sie den Stoff lehren, und das würde auch ihnen etwas nehmen wenn sie es nicht mehr tun würden.

Martin: Hat auch mal Lehre gemacht und bestätigt, dass man selbst mehr lernt, als die Leute, denen man etwas beibringt. Deswegen voll für Einheit von Forschung und Lehre. Die Grundlagenvorlesungen sind eigentlich die schwersten zu konzipieren und zu halten. Es bringt besseres Verständnis insbesondere mit Fragen der Studierenden, die auch Forschung beeinflussen.

-: re: das nimmt Lehrenden auch was weg wenn man es trennt; Professoren stellen auch Sachen vor, zB auf Konferenzen usw. Nimmt man denen dann die Lehre weg, leidet dann auch die Fähigkeit die eigenen Ergbenisse zu vermitteln. Man sieht das u.A. auch an den Unterschieden zwischen Leuten aus der Industrie und aus der Uni.

Dann sollte Lehre aber auch verbessert werden. Klar, sollte Lehre den Forschern nicht weggenommen werden. Aber sollten diese dann die Grundlagenvorlesungen halten? Oder können das dann nicht didaktisch versiertere Menschen machen? Zb auch Menschen mit weniger Forschung statt gar keiner.

Wir können ja auch mal über unsere Gefühle reden und sagen, dass wir als Physikstudierenden aktuell mit dem WissZeitVG Angst vor der Zukunft haben und Deutschland deswegen Forschende verliert.


Evaluationen gibt es bereits. Aber die werden aktuell weitestgehend ignoriert, z.b. weil sie keine Folgen oder Erfolge haben.


Verständnisfrage: Es scheint ja, dass das WissZeitVG in der aktuellen Form kommt. Die nächste Ebenen wären dann ja die Länder. Sollten sich dann nicht wir als BuFaTa, die FSen von einzelnen Bundesländern zusammentun?

Man sollte Ländergesetze koordinieren, weil sonst Wissenschaftmachende in andere Bundesländer abwandern könnten, bzw Angst davor entsteht, o.ä.


Was nehmen wir nun mit?

Naja, uns treibt auf jeden Fall das Thema Qualitätssicherung um. Es scheint, dass Forschung und Lehre nicht getrennt werden sollten. In der ZaPF sehen wir aktuell keine Möglichkeit reine Lehrende in einem Beschluss durchzusetzen. Aktuell scheint uns die Zeit aber nicht davon zu laufen. Das Thema begleitet uns sicher noch länger.

Wir machen in Kiel vermutlich mit mehreren AK weiter.